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Plaisirklettersteige 0

Mittaghorn Klettersteig

Das Mittaghorn bildet zwar vielleicht nicht die schönste, in jedem Falle aber eine markante Berggestalt über Saas-Fee. Jedem, der ins Saastal fährt wird sofort die dreieckige, plattige Nordwand auffallen, die sich mächtig über Plattjen aufbaut. Über den rechten, sie begrenzenden Grat führt dessen ungeachtet ein wunderschöner, leichter und ungemein aussichtsreicher Klettersteig empor der auch mit Kindern gut zu machen ist. Einziger Wermutstropfen: Der Abstiegsweg…

Saas Fee (1675 m) 8:30 Uhr. Da der Weg nicht besonders schön ist und um Zeit zu sparen mit der Seilbahn hinauf nach Maste 4 (2700 m), denn am Nachmittag waren laut Wetterbericht Gewitter angesagt. Ab Maste 4 folgen wir dem Wegweiser Mittaghorn Klettersteig. Los geht’s über einen schmalen Pfad, der über loses Geröll fast eben unterhalb der Flanke des Egginer quert. Wir orientieren uns an einer roten Fahne, die den Punkt markiert, an dem der Steig erstmals den Grat betritt. In Falllinie darunter ist der Einstieg zu finden, der ebenfalls markiert ist.

CIMG2455Von Maste 4 gilt es gut 1,1 km Luftlinie zum Westgrat des Mittaghorns hinüberzuqueren, über den dann der eigentliche Klettersteig verläuft. Dieser ist als Licht/Schattengrenze in Bildmitte zu erkennen. An der Stelle, an der er einen Buckel beschreibt (im Hintergrund ist das Fletschhorn zu erkennen) befindet sich die Fahne (in Originalgröße bei genauem Hinschauen zu erkennen)

Bild 089Auf der langen Querung der Westflanke von Mittaghorn und Egginer im Zustieg zum Klettersteig

Bild 087Wir geniessen die magische Stimmung

Unser Weg führt über einen sanften Grasbuckel mit Geröll ca. 200 m von der Wand des Egginer entfernt. Irgendwoher hören wir kleineren Steinschlag und sehen uns um, als es plötzlich einen lauten Schlag tut. Sofort zieht eine riesige Staubwolke an der Wand des Egginers unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wie vom Donner gerührt sehen wir Felsbrocken, so große wie Autos schnell auf uns zu. Unser Glück war, dass diese nahenden Brocken durch anderes großes umherliegendes Gestein schnell an Fahrt verloren haben und zum Glück ca. 100 m vor uns zum Stillstand gekommen sind. Oh meine Güte! Wie gewaltig. Uns ist das Herz in die Hose gerutscht.

Bild 088Steinschlag in den Flanken des Egginers

Nachdem sich die Staubwolke etwas verzogen hatte, konnten wir das Ausmaß erkennen. Eine große Gesteinsschulter war einfach abgebrochen, zu erkennen an der hellen Stelle, die auf der Wand zurückgeblieben war. Das ist ja mal ein guter Start für einen Klettersteig zu gehen, denken wir uns. Nun ja, wir gehen rasch weiter und erreichen in etwa 20 min den Einstieg des Klettersteigs. Wir rödeln an und achten besonders auf unseren Helm! Dann steigen wir ein. Immer im Hinterkopf, die gemeldeten Gewitter am Nachmittag; da es aber gerade erst 10 Uhr ist, machen wir uns noch keine großen Sorgen. Über einen kurzen, drahtseilversicherten Aufschwung (A) erreichen wir die rote Fahne, die sich bei Gemsrigg (P. 2687) befindet.

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Die ersten Seile leiten recht einfach über einen mit felsen durchsetzten Pfad hinauf zur Fahne bei Gemsrigg

Bild 094An der Fahne angekommen geniesst man einen super Tiefblick

Von dort geht es zunächst ungesichert aber einfach über den hier relativ breiten und grasigen Grat empor. Nach diesem einfachen ersten Teil wird das Gelände dann zunehmend felsiger und ist von hier auch bis zum Gipfel durchgehend mit einem super straffen Drahtseil gesichert. Man muss immer gut aufpassen denn einige Stellen im mittleren Teil sind steinschlaggefährdet und immer mal wieder hört man es rieseln. Wir beeilen uns und sind rasch darüber hinweg.

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Von Gemsrigg geht es zunächst wieder ohne Sicherung über den vorerst breiten und grasigen Westgrat hinauf

Bild 099Nach und nach wird das Gelände aber wieder felsiger

Bild 096Grandioser Tiefblick auf  das Saastal, mit den beiden wichtigsten Orten Saas-Fee (vorne) und Saas-Grund (hinten)

Der Steig ist nicht besonders schwierig und quert immer unterhalb des Grates, als leichte Kletterei in geschichtetem Gestein hinauf. Wir gewinnen schnell an Höhe – Eisenstifte und Krampen erleichtern den Aufstieg an glatten oder steilen (Stellen B) Wandstellen.

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Ein steiler, aber gutgriffiger Aufschwung in der Mitte des Steiges

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Hier der selbe Aufschwung noch einmal von oben. Stets ist aber das straff gespannte Seil nicht fern

CIMG2470Geniale Kletterei am Grat

Die luftigste Stelle erwartet einen ziemlich weit oben (B): Kurz geht es gerade über Krampen hinauf, dann wird recht ausgesetzt auf einem schmalen Band nach rechts hinübergequert bevor man wieder senkrecht in leichteres Terrain über Krampen aufsteigt.

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Die kurze, ausgesetzte Stelle im oberen Bereich

CIMG2475Sie ist jedoch technisch nicht schwierig

Zuletzt geht es noch einmal etwas anspruchsvoller (B) auf Klammern und Eisenstiften über eine glatte Platte, bevor man dann über ein flaches Stück schließlich zum Ausstieg gelangt. Ab hier endet das Drahtseil und man kann problemlos zum Gipfelkreuz herüber gehen (3143 m). 12 Uhr.

CIMG2481Die Gipfelplatte

Eine Überraschung erwartet uns! Wir schauen auf rabenschwarze dunkle Wolken, die vom Dom her zügig auf uns zu ziehen. Michael und ich sehen uns an, keiner sagt was, denn wir denken beide dasselbe in diesem Moment. Aber auch vom Mattmark-Stausee her zieht es zu. Wir werden unruhig. Wo bleibt Barbara, die eigentlich im Steig immer dicht hinter uns war? Wir rasten kurz, essen und trinken etwas und warten auf Barbara, die zum Glück in diesem Moment, schnaufend bei uns ankommt. Sie sieht den dunklen Himmel: „Ach du Draht.“ Michael drängt zum Abstieg nach Plattjen (2570 m), aber Barbara muss zuerst einmal kurz durchatmen – wir hatten schließlich schon unsere Verschnaufpause. Keine 2 Minuten später sind wir beim Absteigen! Der schmale Pfad ist furchtbar steil, loses Geröll und Kies erschweren jeden Schritt.

Bild 102Der Abstiegsweg führt ordentlich steil durch die Ostflanke des Mittagshorns, ist wie im Bild gut erkennbat jedoch durchgehend gut markiert

Wind kommt auf und es wird richtig ungemütlich. Wir müssen sehen, dass wir hier runter kommen! Ein einzelner Mann kommt uns im Aufstieg entgegen. Wir begreifen es nicht, warum er das tut??? Auf unsere Warnung, dass (im Aufstieg unsichtbar) auf der anderen Seite des Berges ein Unwetter im Anzug ist entgegnet er leichthin, dass dieses erst für den Nachmittag gemeldet ist. Egal, wir rennen weiter. Nun können wir schon unseren Wanderweg, der fast eben verläuft und direkt nach Plattjen führt, erkennen. Unweigerlich stößt man darauf, wenn man diesen Abstieg wählt. Man sich nur links halten. Kein Mensch ist mehr unterwegs. So langsam wird’s eng. Wo bleibt Barbara? Oben haben wir verabredet, dass wir schon vorgehen sollen und sie uns in ihrem Tempo folgt. Wir warten an der Weggabelung und holen unsere Regenjacken hervor. Bis zum ersten Donner – dann müssen wir weiter – überlegen Michael und ich. Und da kommt er auch schon! Sofort, fast im Dauerlauf, so wie es das Gelände zugelassen hat liefen wir Richtung Plattjen. Der Weg führte über Felsplatten und Geröll. Es gießt wie aus Kübeln. Wie schnell man laufen kann, wenn man muss, wenn einen Donner und Blitze antreiben. Und in ca.10 Min. erreichten wir Plattjen um 13:30 Uhr.

CIMG2494Ankunft auf Plattjen mitten im Gewitter – eine bedrohliche Situation

Gute 20 min später kommt dann auch Barbara an. Auch sie triefte. Wir wollten warten, bis das Wetter etwas besser wird und trinken einen Kaffee in der Hütte. Später als der Regen aufgehört hat, gönnen wir uns die Seilbahn von Plattjen aus hinunter nach Saas Fee. Laufen will heute keiner mehr! Mit Sicherheit werden wir so eine Tour nicht mehr machen, wenn Gewitter gemeldet sind! Welch ein Stress!

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