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Bürgeralm Klettersteig mit Arenavariante

Die Bürgeralm bei Aflenz ist durchaus ein schönes Fleckchen Erde und auch der dort durch die etwas im Wald versteckten Felsriegel leitende Panorama-Klettersteig ist sicher eine nette Tour – dennoch wären sowohl die Bürgeralm als auch der Klettersteig der breiten Masse eher unbekannt, wenn es sie nicht gäbe: Die Arena-Variante! Indem die Erbauer diese Variante hinzufügten, wurde aus diesem Steig plötzlich einer der schwierigsten Klettersteige der Welt, eventuell handelt es sich dazu um den schwersten Klettersteig Europas. Bewertet mit F geht es auf der Arena-Variante ca. 10 m durch einen Überhang – und das, bis auf ein locker gespanntes Drahtseil ohne Steighilfen!

Zeitplan:

  • Bergstation Sessellift – Klettersteig: 10 min
  • Klettersteig: 1 Std.
  • Klettersteig – Bergstation Sessellift: 10 min

Um zur Bürgeralm zu gelangen, bieten sich zwei Alternativen: Entweder man nutzt den gemütlichen Sessellift (verkehrt Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 9-17 Uhr; ein Ticket kostet 13€ für die Berg- und Talfahrt; Stand: 2022) oder man nimmt die Panoramastraße und fährt mit dem Auto direkt hinauf auf die Alm (7€ Maut; Stand: 2022). Am entspanntesten ist sicher die Fahrt mit dem Sessellift, die Panoramastraße ist wirklich nur eine Schotterpiste übelster Art – wer ein teures Auto fährt, sollte diese besser nicht benutzen…

Ich hatte den Bürgeralm Klettersteig als Zwischenstopp auf der Heimfahrt von einem Kongress in Wien eingeplant und fuhr daher mit dem Auto über die Panoramastraße zum Parkplatz auf der Bürgeralm. Von dort leitet ein breiter Weg in 5 min zur Gipfelstation des Sessellifts. Am Wegweiser davor biege ich rechts ab und nach weiteren 50 m vor den beiden Hütten nach links hinunter in den Wald (Wegweiser zum Klettersteig). Schon nach wenigen Serpentinen ist der Steig erreicht. Auf einer Plattform kann man sich in Ruhe anrödeln.

Eine kleine Plattform bietet einen guten Ausgangspunkt zum Anrödeln

Es ist 16:10 Uhr und es herrscht eine wohltuende Ruhe hier oben – ich werde definitiv alleine auf dem Steig sein. In einer Querung geht es über den „Einstiegsturm“ (B; alle Passagen sind mit kleinen Schildern bezeichnet), am Ende des Turms muss über eiserne Krampen abgestiegen werden (B/C).

Der Abstieg am „Einstiegsturm“

Ein kurzer Pfad leitet zum nächsten Abschnitt des Steigs, dem „Lärchenturm“. Auch dieser stellt kein großes Hindernis dar – ein gelber Felsabschnitt wird über Bänder gequert (B). Immer wieder genieße ich die schöne Aussicht auf Aflenz, die sich unter mir auftut.

Schön: Alle Abschnitte des Steiges sind mit kleinen Tafeln bezeichnet

Quergang in gelbem Fels

Immer wieder hat man eine schöne Aussicht auf Aflenz

Wiederum gibt es ein kurzes Stück Pfad als Intermezzo, dann erreiche ich die „Dachlquerung“: Diese macht ihrem Namen alle Ehre, denn es folgt eine sicher 50 m lange Querung unter einem Überhang mit Dach (erst B, dann C). Hier beginnt der Steig langsam an Fahrt aufzunehmen, denn die Traverse ist leicht abdrängend und fordert eine gewisse Kraftausdauer. Über mit Pflanzen überwachsenen Fels geht es danach ein paar Meter hinauf zu einem Baum, an dem man sich  ein wenig ausruhen kann (B/C). Hier gibt es auch einen ersten Notausstieg, über den man direkt zur Bergstation der Sesselbahn aufsteigen könnte.

Der lange, ein wenig abdrängende Quergang der „Dachlquerung“

Beim nun folgenden „Dobelfelsen“ geht es schräg absteigend (erst B, dann C) über gelblich-blauen Fels hinab zu einem Einschnitt, der mittels einer Seilbrücke überwunden wird. Immer wieder wandert mein Blick weiter den Steig entlang zur Arena, die so langsam näher rückt… Nach der Seilbrücke gibt es noch einmal einen zweiten Notausstieg, der senkrecht nach oben (C) einen weiteren vorzeitigen Ausstieg ermöglichen würde.

Schräg absteigend geht es hinab in einen Einschnitt…

…der über eine 2-Seilbrücke überwunden wird

Weiter geht’s: Nach einer kurzen Traverse teilt sich endlich der Weg. Links führt die Umgehung der Arena (D) sehr direkt und senkrecht nach oben, rechts geht es etwas absteigend zur „Arena-Variante“. Ein Schild weißt noch einmal auf die extreme Schwierigkeit dieses Abschnitts hin. Nachdem eine kleine Ecke erreicht ist, liegt die „Arena-Variante“ vor mir und zum ersten Mal in meiner „Klettersteiglaufbahn“ habe ich vor einem Klettersteigabschnitt etwas weiche Beine.

Hier trennt sich der Steig: Über die Krampen geht zum Abschnitt „Arena“, nach rechts absteigend zur „Arena Variante“

Der Überhang der „Arena Variante“ ist durchaus respekteinflößend

Ich traversiere bis unter den Überhang (B); ein breites Band ermöglicht hier, ein letztes Mal die Arme zu entlasten. Arme ausschütteln, tief durchatmen – dann geht es los. So zügig wie möglich klettere ich voran. Zur ersten Verankerung geht es noch senkrecht, zur zweiten schon leicht überhängend (E) und zur dritten so richtig überhängend. Zwei Bandschlingen, die als Steighilfe hier aufgehängt wurden zeugen von den Kämpfen, die wahrscheinlich öfter ausgefochten werden. Der Fels ist relativ trittarm, hier ist wirklich rohe Kraft gefordert. Weiter geht es im Überhang (F) zur vom Band aus gesehenen vierten Verankerung. Da ich merke, wie mir langsam die Arme zulaufen und der Abstand zwischen den Verankerungen von hier aus größer wird, setze ich mich zähneknirschend in die Verankerung. Eigentlich war der Plan, die „Arena-Variante“ durchzuziehen, aber mit meiner Ausdauer steht es nun mal im Moment nicht zum Besten.

Tiefblick in der „Arena Variante“

Rückblick zur „Arena Variante“ und dem Vereinigungspunkt mit der Umgehung, die oberhalb des Überhanges von links nach rechts traversiert

Nach einer kurzen Pause nehme ich die Headwall in Angriff, auf der man nach wie vor nichts geschenkt bekommt (E). Oben trifft man dann wieder auf die Umgehung. Über eine mit den angepumpten Armen anstrengende Querung verlasse ich die Arena über die „Seilbahnfelsen“ (B/C) und stehe nach kurzer Zeit bei der „Holzsteg-Hängebrücke“. Diese ist wirklich eine wackelige Angelegenheit und ich bin froh, durch meine Körpergröße gut an das oberhalb verlaufende Stahlseil zu kommen.

„Holzsteg-Hängebrücke“

Die anstrengende und lange „Schlussdiagonale“ (C/D) leitet unter dem Sessellift hindurch bis unter eine letzte Wand, die entweder umgangen werden (A) oder direkt in Angriff genommen werden kann (C). Der Ausstieg ist originellerweise direkt auf eine hölzerne Aussichtsplattform. Ich genieße den tollen Ausblick und vor allem die Stille – es ist nun 16:50 Uhr. Über einen Pfad geht es dann in Kürze zum Gipfelkreuz des Ransteins (1555 m). Von hier ist es dann auch nicht mehr weit zur Gipfelstation der Sesselbahn und zum Auto.

Die „Schlussdiagonale“ ist noch einmal anstrengend

Auf der Aussichtsplattform am Ende des Steiges wird man mit einem tollen Ausblick belohnt

Fazit: Die „Arena-Variante“ hat es wirklich in sich! Ich schließe mich der Empfehlung aus den Klettersteigführern an, dass sie nur von sehr guten Klettersteiggehern bzw. Kletterern begangen werden sollte (Kletterkönnen sollte der 7. Grad sein). Ohne Drahtseil dürfte die „Arena-Variante“ frei geklettert sicher im 9. Grad liegen!

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