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Mittelschwere Hochtouren (BA) 0

Blüemlisalphorn Überschreitung

Das Blüemlisalphorn kann von der Höhe zwar nicht mit den Berner Riesen mithalten, ist aber, da es der Hauptgruppe etwas vorgelagert ist, eine gewaltige Aussichtswarte auf Eiger, Mönch, Jungfrau und co.. Doch nicht nur die Berner, auch die Walliser Alpen, der Grand Combin und selbst der ferne Mont Blanc sind Bestandteil der großartigen Aussicht die man von hier oben genießt. Diese Charakteristika treffen ehrlicherweise allerdings auch auf andere, benachbarte Gipfel zu, doch beim Blüemlisalphorn kann das Panorama über Stunden in einer anspruchsvollen, aber dennoch genussvollen Überschreitung der beiden benachbarten Gipfel Morgenhorn und Wyssi Frau, die Vergleiche mit Klassikern wie Bianco- und Rochefortgrat sowie Lyskamm nicht zu scheuen braucht, genossen werden.

Zustieg Morgenhorn

Der Aufstiegsweg auf das Morgenhorn

Da die Blüemlisalphütte (2834 m) an diesem Wochende im September komplett ausgebucht war und somit einiges am Berg los sein würde beeilten wir uns, nach dem Wecksignal um 4 Uhr auf die Beine zu kommen. Um 5.15 Uhr standen wir dann gestiefelt und gespornt vor der Hütte und es konnte losgehen. Der Zustiegsweg zum Blüemlisalphorngletscher beginnt direkt an der Hütte und ist durch unzählige Steinmänner bestens markiert. Nach 5 min hatten wir den Gletscher erreicht und seilten uns an. Dann ging es am (aus Aufstiegssicht) linken Gletscherrand zunächst geradeaus hinauf, bis die bereits gut von unten einsehbare Spaltenzone auf 3000 m in Gletschermitte durchquert wurde. Direkt danach hielten wir in einem langen Linksbogen auf das Morgenhorn zu. Angenehmerweise war der Mond recht voll und stand hoch am Himmel, sodass man sogar ohne zusätzliches Licht durch die Stirnlampe gehen konnte. Wir querten nun solange, bis wir unter die NW-Flanke des Morgenhorns gelangt waren und stiegen dann schräg rechts aufwärts, um auf ein etwas erhöhtes Plateau darin zu kommen. Dort wendeten wir uns dann ganz der Flanke zu und erstiegen sie relativ direkt im zick-zack.

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Im Aufstieg zum Morgenhorn: Toller Blick hinüber zu Eiger, Mönch und Jungfrau

m9Rückblick zur NW-Flanke des Morgenhorns

So erreichten wir schließlich den N-Grat auf ca. 3500 m (an der Stelle, an der er sich abflacht und nach rechts zum Gipfel hin abknickt). Langsam färbte sich der Himmel rot und es wurde heller. Nachdem sich der Grat zuletzt noch einmal aufgesteilt hatte, erreichten wir den Gipfel des Morgenhorns (3623 m) um 6.45 Uhr. Kurze Trinkpause dann ging es weiter, hier war schließlich noch nicht einmal die Hälfte des Weges gemacht. Der Grat in Richtung Wyssi Frau beginnt ganz harmlos – breit und nicht allzu steil. Dann jedoch fällt das Gelände auf der rechten (nördlichen) Seite mehr und mehr ab, bis man zuletzt durch eine Schräge von ca. 45° quert. Nach diesem kurzen, steilen Stück erreicht man einen ersten Felsabschnitt.

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Morgenstimmung auf dem Morgenhorn

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Ab hier beginnt die Überschreitung

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Die Seilschaft vor uns quert hinüber zur ersten Felspassage

Hier muss zuerst ein kleiner Kopf überklettert werden (leicht), bis man auf seiner Rückseite auf eine Sicherungsstange trifft, an der man über ein ca. 7m hohes Wändchen abseilen kann. Unterhalb des Wändchens befindet sich ein Borhaken, der als Zwischensicherung genutzt werden kann, sofern man den Grat in die andere Richtung begeht, noch ein Stück weiter (im Schnee) findet sich außerdem eine zweite Sicherungsstange. Diese kann dazu benutzt werden, das folgende kurze, jedoch schmale und ausgesetzte Gratstück zu sichern. Wenn dann ein weiterer kleiner Felskopf überklettert ist wird der Grat wieder leichter.

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Das Wändchen am Ende der ersten Felspassage

o4Das folgende schmale Gratstück, das von einem kleinen Felskopf abgeschlossen wird

p1Der letzte Aufschwung hinauf zur Wyssi Frau

Nachdem ein steiler Aufschwung im Gratverlauf überwunden ist erreicht man rasch und nur noch sanft ansteigend den Gipfel der Wyssi Frau (3648 m). Auch hier hielten wir wieder eine kurze Trinkpause; mittlerweile war es 8.15 Uhr. Dann geht es weiter: Am Anfang ziemlich einfach leicht absteigend am Grat entlang. Es folgt eine kurze Unterbrechung in Form eines Felsstücks, das jedoch ohne Probleme abgeklettert werden kann. Noch ein Stück weiter sanft mit dem Grat absteigen, bis man schließlich über einen steilen Hang in den tiefen Sattel (3590 m) vor dem Blüemlisalphorn kommt.

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Rückblick zum ersten Gratabschnitt und zum Morgenhorn

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Der nun folgende Gratabschnitt hinüber zum Blüemlisalphorn. Gut ist auch der tiefe Sattel zwischen Wyssi Frau und Blüemlisalphorn zu erkennen

q1Abstieg in den Sattel

Von hier geht es jetzt zum letzten Mal bergan für heute. Zuerst einfach über Schnee, dann folgte die Stelle, die ich während der gesamten Tour mit Spannung erwartet hatte. Ein etwa 10 m hoher Gendarm wird direkt an seiner Kante erklettert (III), zwar nicht extrem schwierig, aber durch die ungünstige, dachziegelartige Abwärtsschichtung des Gesteins schon mental anspruchsvoll. Es befindet sich jedoch sowohl unterhalb des Gendarms als auch direkt auf seinem Gipfel eine Sicherungsstange. Das Anbringen einer Zwischensicherung ist allerdings praktisch nicht möglich.

q5Die Schlüsselstelle am Gendarm

Oben angekommen folgen wir weiter dem Schneegrat, der zuerst eben ist, dann ein kurzes Stück abfällt und endlich wieder felsig wird (Stelle II+, Sicherungsstange unterhalb). Dann verbreitert sich der Grat stetig, bis er sich noch einmal zu einem letzten Steilhang aufschwingt. Ist dieser jedoch überwunden winkt schon der nahe Gipfel des Blüemlisalphorns (3661 m). Wir erreichen ihn um 9.45 Uhr und genießen das Wahnsinnspanorama – der Himmel ist praktisch wolkenlos! Nahezu alle anderen Seilschaften sind direkt auf Blüemlisalphorn gestiegen und befinden sich so schon im Abstieg, sodass wir den Gipfel ganz für uns alleine haben.

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Auf zur letzten Felspassage. Davor befindet sich noch einmal eine Sicherungsstange

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Der letzt Aufschwung hinauf zum Blüemlisalphorn

r5Rückblick zur Wyssi Frau

s1Blick bis hin zum Mont Blanc

Der Abstiegsweg führt über den NW-Grat: Zunächst geht es recht steil, doch nicht wirklich schwierig über Firn hinab auf einen Sattel, bei dem der Grat noch ein Stückchen weiter nach Westen dreht. Dabei hat man die ganze Zeit den wunderschönen, türkis-blauen Oeschinensee im Blick.

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Die ersten Abstiegsmeter. In der Ecke oben rechts ist der Thunersee zu sehen

t3Wahnsinnblick auf den Oeschinensee

Nun wechselt der Grat grundlegend sein Angesicht von einem eleganten Firngrat zu einer düsteren, plattigen Felsflanke. Diese ist durch die Abwärtsschichtung des Gesteins wirklich etwas unangenehm zu begehen und wäre ohne die ca. alle 20 m eingebohrten Sicherungsstangen eine ernste Angelegenheit. So kann man hier jedoch auch bequem abseilen (Achtung wegen Steinschlag – weiter unten muss die Flanke nämlich noch einmal nach rechts gequert werden).

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Abseilerei im felsigen Abschnitt des Abstiegs. Die Felsen können jedoch bei trockenen Verhältnissen prinzipiell auch abgeklettert werden

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Da die Flanke unten von links nach rechts gequert werden muss sollte besonders auf die Vermeidung von Steinschlag geachtet werden

u2Der Weg ist mit Sicherungsstangen bestens gesichert

Es geht vorerst recht dicht am Grat entlang, dann wird die Flanke nach rechts hin verlassen. Der letzte Abschnitt zum Rothornsattel (3178 m) ist dann wieder einfach. Von dort rechts abwärts über den steilen Hang und je nach Bedingungen über den Bergschrund auf das Gletscherplateau. Dieses wird gerade hinüber gequert. Dann folgt die letzte Anstrengung des Tages in Form eines etwas mühsamen Gegenanstiegs (ca. 50 mH) in den Einschnitt zwischen Ufem Stock und der Wyssi Frau. Man erreicht so wieder den Anstiegsweg zum Morgenhorn, kurz oberhalb der Spaltenzone.

Abstieg Blüemlisalphorn

Der restliche Abstiegsweg auf den Gletscher

u7Die toll gelegene Blüemlisalphütte mit dem Thunersee im Hintergrund

Erstbegehung:

Ausgangspunkt: Blüemlisalphütte SAC (2834 m). Zu erreichen von Kandersteg in 5 Std. (1639 mH) oder von der Bergstation Oeschinen (1682 m) der dortigen Seilbahn in 4 Std. (1152 mH).

Einstieg: Direkt hinter der Hütte

Länge: ↑ Morgenhorn: 789 mH; 2 ½ – 3 Std.

aaaaaai↕ Überschreitung: 111 mH Aufstieg, 73 mH Abstieg; 3-4 Std.

Schwierigkeit: AD, III, 45°

Abstieg: NW-Grat des Blüemlisalphorns: 827 mH, 2 – 3 Std.

Weitere Routen: N-Wand des Blüemlisalphorns: AD, 55°

Tipp/ Planung: Die Tour kann natürlich auch ohne große zeitliche Veränderungen in die andere Richtung unternommen werden, dabei kann außerdem die lohnende N-Wand des Blüemlisalphorns als alternativer Aufstiegsweg in Betracht gezogen werden. Wecken ist auf der Hütte um 4 Uhr. Durch die Vielzahl an Sicherungsstangen, nicht nur in der Felsflanke des Blüemlisalphorn NW-Grates sondern auch bei der Überschreitung selbst kann die Tour an den problematischen Stellen gut abgesichert werden. Trotzdem muss man sich sicher in ausgesetztem Gelände bewegen können. Die Wächtengefahr ist am gesamten Grat im Auge zu behalten. Als (anspruchsvoller) Notabstieg bei Wettersturz kommt der steile NW-Grat der Wyssi Frau in der Mitte der Überschreitung in Frage.

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