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Routenbau

Obgleich ein noch recht junges Handwerk, hat der Routenbau im letzten Jahrzehnt einen rasanten Aufschwung erlebt. Dieser hängt natürlich hauptsächlich mit der, seit dem Bau des ersten Kletterturmes am Ende der 1980er Jahre exponentiell ansteigenden Zahl an künstlichen Kletteranlagen zusammen. Er wird zum anderen aber auch durch den gleichsam gestiegenen Konkurrenzdruck zwischen den Hallen bedingt. Wurden noch zur Jahrtausendwende zum Teil lange Anfahrtswege in kauf genommen – da es in der Umgebung schlicht keine andere Halle gab – so kann der heutige Kletterkunde häufig zwischen mehreren nahe beieinander liegenden Hallen wählen. Somit rückt die Routenqualität, neben Art und Umfang des Kletterangebots zunehmend ins Interesse. Trotzdem vollzieht sich der Routenbau in vielen Hallen nach wie vor haarsträubend diletantisch: Routen werden lediglich nach eigenen Vorlieben geschraubt und Kriterien für objektive Schönheit dabei völlig unbeachtet gelassen, Längenzüge lassen kleinere Kletterer bereits in niedrigen Schwierigkeitsgraden an ihre Grenzen kommen, Schwierigkeitsbewertungen erfolgen z.T. lächerlich hart und sind oft vollkommen uneinheitlich (“ich bin heute 7er in allen Schwierigkeitsgraden geklettert”), Schrauberteams sind auf bis zu 30 Routenbauer aufgebläht…

Ein großes Problem ist, dass zum Thema Routenbau nahezu keine Informationen, insbesondere keine Literatur vorliegt. Mittlerweile werden zwar Routenbauerkurse angeboten, diese besitzen jedoch kein einheitliches Konzept und schwanken in ihrer Dauer von einem Tag bis hin zu 5 und mehr. Dem soll nun an dieser Stelle ein wenig Abhilfe geleistet werden. Nach und nach möchte ich diese Rubrik ergänzen, um meine, in 13 Jahren Routenbau gewonnenen Erkenntnisse weiterzugeben und so einem Neuschrauber, aber auch bereits erfahrenen Schraubern die Möglichkeit zu geben, ihren Routenbau zu verbessern.

Der erste Artikel, den ich dazu hier veröffentlichen möchte beschäftigt sich gleich einmal mit dem wichtigsten Thema:

Was zeichnet ein gute Route aus?