Alphubel – Südostgrat (Weg der Erstbesteiger)

„Alphubel“ – das klingt ehrwürdig, ein wenig behäbig und vor allem so richtig schön schweizerisch. In der Tat wird man große und schwere Touren am Alphubel vergeblich suchen, trotzdem ist es kein einfacher Berg, denn die Wege auf ihn sind alle lang. Der wohl klassischste Anstieg ist der, den schon der Erstbesteiger des Alphubels – Leslie Stephen – im Jahre 1860 gewählt hat: Von Täsch über den Alphubelgletscher ins Alphubeljoch und dann über den SO-Grat und die Eisnase auf den Gipfel. Mal abgesehen von den „Einstiegsviertausendern“ Allalinhorn, Breithorn und Bishorn ist dies eine Route, die sich aufgrund der relativ einfachen Routenfindung und der geringen objektiven Gefahren und Schwierigkeiten gut für den Einstieg ins selbstständige Hochtourengehen eignet.

Erstbegehung: Leslie Stephen, T.W. Hinchliff, Melchior Anderegg und Peter Perren; 09.08.1860

Ausgangspunkt: Täschhütte (2701 m). Die Täschalp (2205 m) kann von Täsch aus mit dem Auto angefahren werden und bietet eine Reihe von Parkplätzen. Von dort aus führt ein Wanderweg in 1 ½ Std. zur Täschhütte. Zum Zelten bietet sich das Gelände um den Alphubelsee an (ca. 5 Biwakplätze, klares Wasser vorhanden). Dazu von der Täschhütte den Wanderweg mit der Beschilderung „Alphubelsee“ nehmen, Zeitbedarf bis dahin ca. 1 ¼ – 1 ½ Std. Der See befindet sich etwa 50 m rechts neben dem Wanderweg auf 3162 m.

Länge: ↑ 1505 mH (1044 mH vom Alphubelsee), 4 ½ – 5 Std. (2 ½ – 3 Std.) ↓ 2001 mH (bis Täschalp), 2 – 3 Std.

Schwierigkeit: PD, 40°

Abstieg: Wie Aufstieg

Weitere Routen: O-Flanke (Normalweg von Längfluhe); PD-

W-Grat (Rotgrat); AD, IV

N-Grat; AD, III-

Tipp/ Planung: Das Zelten kann aufgrund des außerordentlich aussichtsreichen Biwakplatzes am Alpubelsee nur wärmstens empfohlen werden. Man kann bei dieser Route durch die nur geringen objektiven Gefahren getrost auch etwas später (z.B. 6-7 Uhr) von der Täschhütte aufbrechen.

alphubelÜberblick über den Aufstieg

Wir hatten unsere Zelte am Alphubelsee (3162 m) aufgeschlagen und dort eine recht angenehme Nacht verbracht. Vielleicht ein wenig zu angenehm, denn als um 4 Uhr der Wecker klingelte, benötigten wir dann doch 1 ½ Stunden, bis wir abmarschbereit waren. Ein wenig gespenstisch war sie schon anzusehen, die Lichterkette, die da nahezu vollkommen lautlos am nahen Wanderweg von der Täschhütte her an uns vorbeizog.

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Der geniale Biwakplatz am Alphubelsee

387Die Lichterkette zieht ganz dicht an uns vorbei…

Wir reihten uns ein und stiegen in einer guten Viertelstunde hinauf zum Beginn des Alphubelgletschers. Wir legten die Steigeisen an und begannen, den aperen Gletscher schräg nach rechts hinauf in Richtung der Felsen von P. 3762 anzusteigen. Der anfangs noch recht geneigte Hang wird bald flacher. Nun gilt es, den oberen, linkerhand gelegenen Gletscher über einen Firnhang kurz vor der Felsbarriere von P. 3762 zu erreichen.

389Übergang zum oberen Gletscherteil. Oben trohnt der Alphubel

Auf dem oberen Gletscher angekommen muss nochmals ein steilerer Gletscherabschnitt überwunden werden, dann flacht der Gletscher endgültig ab und man quert nach links hinüber zum bereits gut sichtbaren Alphubeljoch (3772 m, 1 ½ Std.). Kurz davor erreicht die Sonne die ersten Bergspitzen und wir genießen die wunderbare, milde Morgenstimmung. Kurz darauf kommt allerdings die kalte Dusche in Form eines eiskalten Windes, der uns im Alphubeljoch von der Saaser Seite aus entgegenweht. Die noch zarten Sonnenstrahlen des frühen Morgens können in diesem Moment leider auch noch nicht wirklich zur Aufwärmung beitragen.

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Auf dem oberen Gletscherteil

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Kurz unterhalb des Alphubeljochs

403Dort angekommen empfängt uns ein wunderschöner, aber kalter Sonnenaufgang

Wir ziehen die Kapuzen über und nehmen den sanft ansteigenden SO-Grat in Angriff. Da wir durch die Monte Rosa „Spaghettirunde“ nun bestens akklimatisiert sind, können wir zügig aufsteigen und kommen gut voran. Der Grat geht an der „Eisnase“ in eine ca. 40° steile Eisflanke über, bietet jedoch keine wirklichen Schwierigkeiten. Der Gipfel (4206 m, 1 – 1 ½ Std. vom Alphubeljoch) entpuppt sich als weites Plateau und wird durch eine Eisenstange markiert.

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Los geht’s am SO-Grat

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Im Mittelteil des Grates, die Eisnase rückt näher

420Die Eisnase bildet den steilsten Abschnitt des Weges, ist aber durch die Spur auch nicht wirklich schwer415Der Gipfel ist kein Gipfel im eigentlichen Sinne, sondern ein weitläufiges Schneeplateau

Da es nach wie vor stark zieht, verweilen wir nur kurz und machen uns dann wieder an den Abstieg. Weil der Weg praktisch frei von objektiven Gefahren war wandert das Seil in den Rucksack sodass jeder sein eigenes Tempo gehen kann. Unterhalb des Alphubeljochs (½ Std.) machen wir noch einmal eine kurze Trinkpause und sind dann rasch zurück bei den Zelten (½ Std.).

426Ankunft am Biwakplatz am Alphubelsee

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2 Comments

  • Lukas Hofer

    Hallo,

    Toller Bericht. Habt ihr das Biwakier-Material (Zelt, Schlafsack usw.) beim Biwak-Platz hinten gelassen und danach wieder mitgenommen?

    LG
    Lukas

    Juni 28, 2021 - 11:43 am Reply
    • admin

      Hallo Lukas,

      ja, genau so haben wir es gemacht.

      Herzliche Grüße
      Michael

      Oktober 17, 2021 - 3:56 pm Reply

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