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Anspruchsvolle Hochtouren 0

Breithorn N-Grat (Younggrat)

“Vielleicht die eindrücklichste und schönste Tour des Gebiets.”

SAC-Clubführer Walliser Alpen 4/5″DWF

Erstbegehung: R.J. Mayor, C.D. Robertson, Geoffrey Winthrop Young mit den Führern Josef Knubel und Moritz Ruppen; 18.08.1906

Ausgangspunkt: Station Klein Matterhorn (3817 m; Berg- und Talfahrt: 99 CHF)

Zustieg: Von der Station Klein Matterhorn in östlicher Richtung auf dem Trampelpfad in Richtung Castor/ Pollux unter dem Breithornkamm entlangqueren. Nach dem Passieren des Rossi e Volante Biwaks wendet sich die Spur nach Rechts; hier aber weiter ostwärts halten und geradeaus zum nahen Schwarztor (3725 m) – 1 Std. Nun in einem Linksbogen den zunächst einfachen Schneehang des Schwärzegletschers hinab, immer an der Felsmauer des Breithorns entlang. Das Band, das den Übergang zum Chli Triftjisattel vermittelt ist von hier aus schon zu sehen. Auf ca. 3450 m Höhe bildet der Schwärzegletscher eine wilde Bruchzone, durch die es dann den Weg zum Band zu finden gilt (bis hierhin vom Schwarztor ½ Std.). Über das ca. 20 m breite und 150 m lange Band unschwierig, aber brüchig in den Chli Triftjisattel (3491 m) – 2½ – 3 Std. vom Klein Matterhorn

Einstieg: Der Grat beginnt direkt am Chli Triftjisattel

Länge: ↓ vom Klein Matterhorn zum tiefsten Punkt ca. 400 mH, dann ↑ zum westlichen Breithornzwilling 700 mH; 2½ – 4 Std. vom Chli Triftjisattel zum Gipfel

Schwierigkeit: D, IV, 55°

Abstieg: Zunächst zurück in den Sattel zwischen westl. Zwilling und Mittelgipfel (4022 m), von dort nach links schräg hinab in Richtung Klein Matterhorn, bis man auf die breite, von Castor/ Pollux her kommende Spur trifft (¾ – 1 Std.). Unsere Überschreitung führte uns zuerst noch hinüber zum Roccia Nera (4075 m). Von dort als erstes leicht absteigende Traverse am Hang in Richtung östl. Zwilling. Sobald es gut möglich ist links ab und in Falllinie gerade hinab. An dem Punkt, von dem an die Flanke ausläuft rechts ab und wieder leicht absteigend Traverse in westlicher Richtung, bis man auf die breite, von Castor/ Pollux her kommende Spur trifft (2 Std.).

Weitere Routen: SSW-Flanke des Hauptgipfels (Normalweg); F+, 35°
O-W Überschreitung des Breithornkammes; AD+, IV
N-Grat (Triftjigrat); AD, III, 55°
NNW-Flanke (Welzenbach); D, IV, 55°

Tipp/ Planung: Vom Zustieg zum Chli Triftjisattel von der Gandegghütte ist laut Simon abzuraten. Die Gletscherbruchzone auf 3450 m sollte, um das zum Chli Triftjisattel führende Band zu erreichen, am besten durchquert werden. Von einer linksseitigen Umgehung im Fels ist dringend abzuraten. Dies hatte die Seilschaft vor uns versucht und dabei viel Zeit in äußerst heiklem Gelände verloren. Es ist zu erwägen, die Nacht vorher im Rossi e Volante Biwak oder auf dem Klein Matterhorn zu verbringen, um den schon recht früh von der Sonne beschienenen Younggrat so früh als möglich zu erreichen. Wir nahmen die Seilbahn um 6 Uhr morgens, was zeitlich auch völlig gereicht hatte, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob man ohne Bergführer um diese Uhrzeit schon fahren kann.

Nach einer vom Wetter her äußerst mäßigen Wanderwoche in Grindelwald kamen wir mit gemischten Gefühlen – in Bezug auf Touren – in Zermatt an. Und in der Tat lag auch hier unheimlich viel Schnee auf allen Gipfeln, sodass mein ursprünglicher Wunsch, die Besteigung von Ober Gabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn buchstäblich ins Wasser fiel. Mein Bergführer, Simon, schlug mir als Alternative den Younggrat am Breithorn vor, der nordseitig ungefähr in der Mitte verläuft und am westlichen Breithornzwilling endet. Ich willigte ein und so trafen wir uns um 5.20 Uhr an der Talstation der Matterhornbahn. Der Plan war, vom Klein Matterhorn aus am Breithornkamm entlang bis zum Schwarztor (die Lücke zwischen Pollux und Roccia Nera) zu gehen und von dort auf dem Schwärzegletscher bis auf eine Höhe von ca. 3400m abzusteigen, von wo aus ein Felsband den Übergang auf den Chli Triftjisattel (3498m) am Beginn des Younggrats ermöglicht. Der meist im Führer beschriebene Weg von der Gandegghütte aus ist laut Simon nicht mehr zu empfehlen.

Breithorn Anstiege

Die wichtigsten Routen auf der Nordseite des Breithorns

Wir starteten um 6 Uhr und kamen relativ zügig voran, sodass wir nach 1,5 Stunden bereits am Übergang vom Gletscher zum Grat standen. Der Gletscher beschreibt hier einen Buckel, sodass diese Stelle oft durch eine ausgeprägte Spaltenzone erschwert wird. So seilten wir zunächst etwa 10 Meter an einer Eissanduhr ab, umgingen die folgenden Spalten in einem Rechtsbogen und gelangten schließlich über ein etwa 20 Meter breites und ca. 150 Meter langes Schotterband auf den Chli Triftjisattel.

 Breithorn Gletscherbruch

Der Weg vom Schwarztor über den Schwärzegletscher und das Band hinauf zum Chli Triftjisattel

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In der Spaltenzone

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Ein ca. 20 m breites Band vermittelt den Übergang vom Gletscher zum Younggrat

Nach einer kurzen Pause ging es um 9 Uhr weiter. Der Grat liegt schon ab dem frühen Morgen im Sonnenlicht, sodass der Schnee bereits begann, sulzig zu werden. Die mühsame Spurarbeit übernahm aber zunächst eine vor uns gehende Seilschaft, die wir auf dem Sattel eingeholt hatten.

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Der Younggrat vom Chli Triftjisattel aus gesehen

Der Younggrat beginnt mit einer steilen, überfirnten Gratschneide, bei der wir uns größtenteils ein wenig auf der rechten Seite hielten. Nach einer guten halben Stunde überholten wir die andere Seilschaft und übernahmen nun unsererseits die Spurarbeit. An P. 3835 dreht der anfänglich N-S gerichtete Grat nach SW und wird felsig. Man kann hier laut Führer entweder Bänder auf der S-Seite benutzen oder den Grat direkt überschreiten. Wir entschieden uns für letzteres und erreichten recht bald den großen Gendarmen (ca. 3920m). Den Gendarme überkletterten wir direkt in wunderbarer Kletterei an gutgriffigem Fels im vierten Schwierigkeitsgrad. Dahinter ging es ein kurzes Stück bergab in einen Sattel, wo wir uns eine kurze Trinkpause gönnten.

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Wunderbare Genusskletterei am rotbraunen Gneis des Gendarmen

Von hier aus führte ein letzter, steiler Schneegrat bis kurz unter den Gipfel des westlichen Breithornzwillings. Dieses Stück ist meist noch einmal schwierig, da es, wie mir Simon sagte oft vereist ist; wir jedoch fanden es in besten Verhältnissen vor, sodass wir schon nach etwa einer halben Stunde auch diesen, letzten Abschnitt dieses imposanten Grates zurückgelegt hatten. Die letzten Meter legten wir in einfacher Kletterei zurück und standen schließlich um 11.20 Uhr auf dem Gipfel.

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Kombiniertes Gelände im oberen Teil des Grates

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Im oberen Teil des Grates mit Matterhorn im Hintergrund

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Der Grat mündet in einer Scharte kurz unterhalb des westlichen Breithornzwillings. Dieser oberste Teil ist laut Führer wohl öfter vereist und dann heikel.

Hier trafen wir noch auf zwei weitere Seilschaften, die die Breithornüberschreitung machten, jedoch gerade im Weitergehen begriffen waren wodurch wir nach kurzer Zeit den Gipfel ganz für uns alleine hatten. Unten am Younggrat konnten wir die andere Seilschaft erkennen, die noch mit der Überkletterung des Gendarmen beschäftigt war.

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Blick vom Gipfel zurück zum Younggrat

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Die Seilschaft hinter uns erklettert gerade den Gendarme

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Blick vom Gipfel zum Matterhorn

Da wir auf meinen Wunsch hin den Breithornkamm noch in östlicher Richtung bis zum Roccia Nera überschreiten wollten, hielten wir uns nicht lange auf, sondern folgten den Spuren, zunächst über Fels hinüber zum östlichen Breithornzwilling und von dort über den Schneegrat zum Roccia Nera.

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Blick vom Roccia Nera zu Castor und Pollux

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Der gesamte Breithornkamm

Nach einer kurzen Gipfelrast begannen wir unseren Abstieg in der Schneeflanke zwischen östlichem Breithornzwilling und Roccia Nera. Dazu traversierten wir immer leicht absteigend zunächst am Hang in Richtung östl. Zwilling und drehten dann, sobald es gut möglich war nach links ab, um in Falllinie weiter abzusteigen. An dem Punkt, von dem an die Flanke auslief bogen wir nach rechts ab und traversierten, wieder leicht absteigend, in westlicher Richtung, bis wir auf die breite, zum Castor/ Pollux hin führende Spur trafen. Um 13.30 Uhr erreichten wir schließlich die Station Klein Matterhorn, wo wir die Flüssigkeitsdepots endlich wieder auffüllen konnten.

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